Pierre Lemaitre – Wir sehen uns dort oben

„er hat das Gefühl verschüttet zu werden, und fängt an zu zittern. Dann denkt er an seinen Freund Édouard, und er zwingt sich weiterzumachen.“

 Warum habe ich „Wir sehen uns dort oben“ eigentlich gekauft?

"Wir sehen uns dort oben"

Wir sehen uns dort oben

„Wir sehen uns dort oben“ – ein Buch über die Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs. Nun stellt sich die Frage, warum eigentlich genau dieses Buch und nicht das ein Regal weiter? Und ich muss jetzt einfach mal gestehen, ich bin ein absolutes Cover-opfer. Wenn das Buch ein schönes und ansprechendes Cover hat, ist das meiner Meinung nach schon die halbe Miete. Mich persönlich sprechen eher schlichte Cover an, die aber trotzdem eine „Message“ haben und den Inhalt des Buches in ihrer Einfachheit wiedergeben. Wenn dann auch noch Titel und Klappentext ansprechend sind, tja dann bin ich dem Buch unweigerlich verfallen und es landet kurz darauf auf dem Tisch der Kassiererin.

Bei „Wir sehen uns dort oben“ von Pierre Lemaitre stimmten für mich einfach alle drei Komponenten und so kam es, dass ich auch diesmal keine andere Wahl hatte, als das Buch in meinen Besitz zu bringen. Und nun möchte ich euch gerne erzählen, ob sich das Ganze auch gelohnt hat..

Fangen wir mit dem Klappentext an..

1919. Der Albtraum des Ersten Weltkriegs ist endlich vorbei, und das geschundene Frankreich versucht krampfhaft, in die Normalität zurückzufinden. Dabei sind die zahlreichen Soldaten, die nun von den Schlachtfeldern heimkehren, oft eher hinderlich. Das erfahren auch Albert und Édouard, der eine schwer traumatisiert, der andere entsetzlich entstellt. Also schmieden sie einen verwegenen Plan, um sich an den vaterländischen Heuchlern zu rächen. Niemand soll ungeschoren davon kommen. Vor allem nicht Offizier Pradelle, jener Mann, durch dessen Machtgier Albert fast ums Leben gekommen wäre und der nun zu einem besonders zynischen Kriegsgewinnler mutiert ist.

Und die Umsetzung des Inhalts?

Das Thema Kriegsvergessene des Ersten Weltkriegs finde ich persönlich sehr interessant. Auch die Umsetzung in diesem Buch ist durchweg gelungen und durch seine Emotionalität definitiv dem Thema angeglichen.
Allerdings finde ich den Klappentext ein wenig irreführend, da Offizier Pradelle zwar seine verdiente Retourkutsche bekommt, aber nicht von Édouard und Albert. Bis auf diesen kleinen Makel finde ich die Beschreibung im Klappentext absolut zutreffend. Mehr dazu werde ich allerdings nicht verraten, denn ihr sollt das Buch ja schließlich selber lesen.. 🙂

kOMMEN WIR NUN ZU DEN fIGUREN…

Nun wollen wir mal die Figuren dieser Geschichte genauer unter die Lupe nehmen. Generell fand ich alle Charaktere durch und durch authentisch. Ich habe direkt angefangen Gefühle für diese zu entwickeln, sei es nun Mitleid, Hass oder einfach nur Sympathie.
Die Beiden Kriegstraumatisierten Hauptcharaktere Albert und Édouard waren mir auf Anhieb sympathisch. In all ihre Handlungen konnte ich mich ohne  große Schwierigkeiten hinein versetzen und den Wahnsinn, der in ihren Köpfen während des Krieges vor sich ging, förmlich spüren. Auch die Loyalität, die die Beiden trotz ihrer komplett unterschiedlichen Wesen zu einander hatten wurde dem Hintergrund der Geschichte angemessen rüber gebracht. Durch die gesamte Darstellung von Albert und Édouard fing ich unverzüglich an, bei ihrem Schicksal mitzufiebern.

Auch für Offizier Pradelle hatte ich direkt Gefühle parat, allerdings keinerlei Positive. In dem Buch zeigt er, meiner Meinung nach, soziopatische Züge. Er ist durchweg egoistisch und nur an Geld und Ruhm interessiert. Sobald es in dem Buch um ihn ging spürte ich einen inneren Groll in mir und alles, was ihm in der Geschichte wiederfährt, löste große Schadenfreude in mir aus.

Den letzten Charakter, den ich etwas genauer beleuchten möchte ist M. Péricourt, der Vater von Édouard. Denn bei ihm konnte ich mich absolut nicht entscheiden, ob ich ihn mögen soll oder eher nicht. Zu Anfang ähnelte M. Péricourt definitiv sehr  Offizier Pradelle – beide sind auf Ruhm und Geld fixiert. Gegen Mitte des Buches wendet sich das Blatt jedoch und die harte Schale von Édouard’s Vater beginnt zu bröckeln. Er fing tatsächlich an mir sympathisch zu werden und auch mein Mitleid zu erregen. Diese Wendung macht ihn für mich zu einem nicht ganz durchschaubaren Charakter, bei dem ich nicht so recht wusste, was ich nun für ihn empfinden soll.

Wie schreibt Pierre Lemaitre denn?

Kurz und knapp in einem Satz hat mir der Schreibstil unheimlich gut gefallen. Nun jedoch ein wenig detaillierter.. Zu Anfang muss ich sagen, dass ich etwas verwirrt war, denn in dem Buch gibt es einige Perspektivenwechsel, die unangekündigt blieben. Da musste ich mich dann erstmal zurechtfinden und ausspekulieren, über wen der liebe Pierre da eigentlich gerade schreibt. Nun kommt aber auch ein großes ABER, denn gerade diese Verwirrung hat, meiner Meinung nach, das Chaos der Nachkriegszeit sehr gut unterstrichen. Ansonsten fand ich den Schreibstil dem Thema angeglichen schlicht aber dennoch gefühlvoll, sodass ich mich in Zeit und Charaktere hineinversetzen konnte.

Und nun mein Gesamtfazit kurz und knapp

Ein durch und durch gelungenes Buch! Die Geschichte wird durch den schlichten Schreibstil und die authentische Darstellung der Figuren von Anfang bis Ende zu einem packenden Roman, der auch zum Nachdenken über die Zeit anregt.
„Wir sehen uns dort oben“ kann ich euch definitiv mit reinem Gewissen ans Herz legen!

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